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Mercedes-Benz verkauft sein europäisches Schnellladenetz an Electra

Mercedes-Benz hat sein europäisches Schnellladenetz an den französischen Betreiber Electra verkauft. InsideEVs und Electrive berichteten am 3. November darüber. Den Deal weist der Hersteller in seinem Quartalsbericht zum dritten Quartal aus, die zugehörigen Vermögenswerte sind dort mit 99 Millionen Euro bewertet.

AutoErklärtJonas WeberVeröffentlicht: 3. November 20265 Min. LesezeitQuellen 5
Mercedes-Benz verkauft sein europäisches Schnellladenetz an Electra

Mercedes-Benz betreibt sein Ladenetz in Europa nicht mehr selbst. Der Hersteller hat seine Schnellladeparks an den französischen Betreiber Electra verkauft. Der Deal steht im Finanzbericht zum dritten Quartal. InsideEVs meldete ihn am 3. November und schreibt die Erstmeldung Electrive zu. Die zum Geschäft gehörenden Vermögenswerte sind mit 99 Millionen Euro bewertet, umgerechnet etwa 111 Millionen Dollar.

Das Netz, das Mercedes abgibt, ist klein: 374 Schnellladepunkte an 47 Standorten in Europa. Electra hat die Säulen laut InsideEVs bereits in sein Netz eingegliedert. Die Kartenterminals werden demnächst ausgetauscht, die Beschilderung der Stationen wechselt zu Electra.

Mercedes bekommt Zugang statt Eigentum. Electra wird "Premium Partner" des Herstellers, an zweiter Stelle nach Ionity. Mercedes-Fahrer laden zu vergünstigten Tarifen an mehr als 5.000 Electra-Ladern an 800 Standorten in mehreren europäischen Ländern. Das US-Geschäft mit Hochleistungsladen sei nicht betroffen, berichtet InsideEVs.

Warum ein drei Jahre altes Netz den Besitzer wechselt

Das Mercedes-Benz Charging Network ging erst vor drei Jahren an den Start. Das Ziel waren mehr als 10.000 Schnelllader weltweit bis zum Ende des Jahrzehnts. In Europa kamen Alpitronic-Hardware zum Einsatz, überwiegend Säulen mit 400 Kilowatt. Anfang des Jahres gingen an Ladeparks in Europa und Nordamerika die ersten Säulen mit 1.000 Kilowatt Leistung in Betrieb. Der Verkauf der europäischen Hälfte dieses Plans ist ein Rückzug von der vertikalen Integration hin zu Partnerschaften.

Paul Tonini, Electra-Geschäftsführer für Deutschland, sagte Electrive, der Markt konsolidiere sich um größere Anbieter. Für verhältnismäßig kleine Netze wie das frühere europäische Geschäft von Mercedes werde es dadurch schwer, die Finanzen im Lot zu halten. Die Logik gilt in beide Richtungen: Größere Netze verdienen pro Standort mehr, der Hersteller behält zugleich Premiumzugang zu einem Netz, das ihm früher gehörte.

Je größer das Netz, desto größer das Ertragspotenzial.

Das ist die Rechnung, die InsideEVs aufstellt, keine Aussage des Unternehmens. Mercedes nannte im Bericht selbst keine strategische Begründung, jedenfalls nicht in der öffentlich zusammengefassten Fassung. Die 99 Millionen Euro sind eine Bewertung der Vermögenswerte aus dem Quartalsbericht, kein genannter Verkaufspreis.

Rivian geht den umgekehrten Weg

Der Kontrast zu Rivian ist deutlich. Im Bericht zum dritten Quartal gab Rivian an, sein Adventure Network habe in den USA 1.185 DC-Schnellladepunkte an 165 Stationen erreicht. Das sind laut InsideEVs 39 Prozent mehr Ladepunkte und 26 Prozent mehr Stationen als im Vorjahr. Die Lader leisten bis zu 300 Kilowatt.

Rivians langsameres Waypoint-Netz mit Level-2-Ladern fand weniger Beachtung. Unter Berufung auf das Alternative Fuels Data Center des Department of Energy berichtet InsideEVs, Rivian habe in diesem Jahr nur zehn Lader mit 11 Kilowatt installiert. Das jüngste Paar ging im Oktober in Betrieb, damit stehen insgesamt 540 Waypoint-Lader an 208 Standorten in den USA. Trotz dieses Wachstums bleibt Rivian klein neben Tesla. Laut InsideEVs hat Tesla mehr als 40.000 Schnellladepunkte an fast 3.300 Standorten in den USA, dazu rund 14.000 Level-2-Destination-Charger.

Zwei Hersteller, zwei Strategien. Rivian baut weiter eigene Säulen, obwohl seine Fahrzeuge an Tesla-Superchargern laden können. Mercedes mietet den Zugang inzwischen bei Betreibern. Beide Wege sind nicht kostenlos. Rivians Angabe, sein Netz liefere Ökostrom, beruht zum Beispiel darauf, jede Kilowattstunde mit erneuerbaren Quellen zu verrechnen, die in einem anderen Bundesstaat liegen können, wie InsideEVs anmerkt.

Das Kapital wandert weiter

In Europa wird weiterhin Geld fürs Laden eingesammelt, nur nicht von den Herstellern. Fastned schloss sein Anleiheprogramm 2026 mit einer letzten Emission von 27 Millionen Euro ab. Damit stieg das neue Investment in diesem Jahr auf den Rekordwert von 92 Millionen Euro, laut Dealroom und den Zahlen, die das Unternehmen selbst am 3. November veröffentlichte. Auf der Infrastrukturseite vereinbarte E.ON Drive den Kauf von SMATRICS EnBW Italia und will beim Schnellladen in Italien wachsen, wie EV Infrastructure News am 2. November berichtete.

Auch die Politik bewegt sich. Eine von TimesLIVE am 3. November zitierte Studie kommt zu dem Ergebnis, smartes Laden könne den Investitionsbedarf in Europas Stromnetze für E-Autos um 40 Prozent senken. Die im Juli 2026 veröffentlichte Überprüfung des EU-Emissionshandelssystems ist Gegenstand eines Policy Briefs von Transport & Environment. CleanTechnica brachte ihn am 2. November. Der Brief argumentiert, der vorgeschlagene Rahmen tauge nicht, um Investitionen in saubere Kraftstoffe für Luftfahrt und Schifffahrt zu stützen. Er fordert, 50 Prozent der nationalen ETS-Einnahmen für die Dekarbonisierung in vorrangigen Sektoren zweckzubinden.

Die breitere Finanzierung von Technologie in Europa zeigt, wie selektiv Investoren geworden sind. Tech.eu erfasste in der Woche bis zum 2. November mehr als 60 Deals im Wert von über 1,3 Milliarden Euro. Auf KI entfielen 815,6 Millionen Euro, auf Healthtech 121,1 Millionen und auf Fintech 104,1 Millionen, allein das Vereinigte Königreich kam auf 1 Milliarde Euro. Die Ladeinfrastruktur schaffte es nicht unter die ersten drei.

Die Netzkosten hinter den Schlagzeilen

In den USA steht die staatliche Förderung des Ladens unter Druck. CleanTechnica veröffentlichte am 2. November eine Analyse des NRDC erneut. Darin heißt es, die 36,8 Milliarden Dollar Vorauszahlungen des Bipartisan Infrastructure Law für den Verkehrssektor seien am 30. September 2026 ausgelaufen. Der Kongress beschloss eine kurzfristige Verlängerung bis zum 11. Dezember, ohne die garantierten Mittel. Der Vorschlag BUILD America 250 Act im Repräsentantenhaus würde alle diese Mittel streichen. Derselbe Text zitiert ein Update des Handelsausschusses im Senat vom 27. Oktober, das die Schäden Bundesstaat für Bundesstaat bewertet.

Nichts davon ändert die Entscheidung von Mercedes, aber es ordnet sie ein. Ladenetze sind kapitalintensive Geschäfte mit viel Hardware. Ihre Rendite hängt von Auslastung, Strompreisen und politischer Förderung ab. Ein Hersteller mit Premiummarke und einem bescheidenen europäischen Bestand von 374 Ladepunkten hat wenig Skalierung, um diese Kosten zu verteilen. Electra mit über 5.000 Ladern hat sie.

Mercedes' US-Netz umfasst nach der Zählung des Department of Energy, die InsideEVs zitiert, 748 Ladepunkte an 80 Standorten. Dazu kommen 62 Ladepunkte an acht Stationen in Kanada. Ob diese den europäischen Standorten in fremde Hände folgen, ist öffentlich nicht bekannt. Der Ausstieg aus Europa ist vorerst vollzogen, und an den Säulen steht bereits ein anderer Name.

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Quellen

5
  1. 01Mercedes-Benz Is Giving Up On Its EV Charging Network In EuropeEN
  2. 02Rivian's Charging Network Grew 39% In A YearEN
  3. 03The ETS Investment Engine: Scaling Europe's Strategic E-fuel Market for Shipping & AviationEN
  4. 04European tech weekly recap: Over €1.3B invested across 60+ dealsEN
  5. 05Congress Is Cutting Off Transportation Investments that Help Families Save MoneyEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Jonas Weber

Jonas Weber

Sport, Auto und Reisen

Jonas Weber schreibt für FLASH24 über Sport, Autos und Reisen und stützt sich dabei auf Verbandsstatistiken, Herstellerangaben und eigene Recherchen vor Ort. Bei Ligaspielen prüft er Spielberichte gegen die offiziellen Datenbanken und gleicht Torschützen sowie Einsatzzeiten ab. Im Automobilbereich vergleicht er technische Daten aus Pressemappen mit unabhängigen Tests, im Reisenressort wartet er auf die saisonalen Streckenfreigaben und spricht mit Veranstaltern. Privat verfolgt er Ligastatistiken, diskutiert über den Videobeweis und spielt selbst Amateurbasketball. Zahlen, die er nicht belegen kann, veröffentlicht er nicht.

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