Digitale Grenzsysteme breiten sich aus, doch die Zuständigkeit bleibt zwischen Staaten und Anbietern geteilt
IOM-Generaldirektorin Amy Pope eröffnete den Internationalen Dialog über Migration in Genf mit einer Warnung: KI-gestützte Falschinformationen über Migration untergraben das Vertrauen der Öffentlichkeit. In den Tagen vor diesem Treffen trieben die Behörden in Nigeria neue Grenztechnik voran und prüften ein System in der Karibik, während die Pläne der EU, Frontex soziale Medien überwachen zu lassen, auf Kritik stießen.

Die jüngste Warnung betrifft das Vertrauen
Irreführende Darstellungen verbreiten sich inzwischen über soziale Medien und generative KI, sagte Pope.
Fakten und Zahlen allein gewinnen das Vertrauen der Öffentlichkeit nicht zurück. Pope sagte in der Eröffnungssitzung in Genf, Institutionen müssten zuhören und handeln, auch wenn das Gehörte unbequem sei. Falsche Informationen verwandelten öffentliche Angst in Misstrauen und Migranten in Ziele, und das schwindende Vertrauen schränke die Zusammenarbeit zwischen Regierungen ein. Technik in Migrationssystemen solle persönliche Daten schützen und diskriminierende Verzerrungen verhindern, fügte sie hinzu.
Mehr als 304.000.000 Menschen leben außerhalb ihres Geburtslandes, darunter 168.000.000 Arbeitsmigranten. Rücküberweisungen tragen etwa 1.000.000.000 Menschen, also rund jeden achten weltweit.
Wer ein Grenzsystem tatsächlich kontrolliert
Ein Grenzsystem zu liefern ist nicht dasselbe, wie eine Grenze zu betreiben. Eine am 2. November veröffentlichte Erklärung von Kenya Today stellt klar: Ein privates Unternehmen, das Flughafentechnik liefert, erhält nicht die Befugnis der Regierung, einen Reisenden zuzulassen, abzuweisen, zu überprüfen oder abzuschieben.
Die Erklärung trennt fünf Rollen. Die hoheitliche Behörde entscheidet, wer ein- oder ausreisen darf, und trifft die endgültige Grenzentscheidung. Ein Systemeigentümer oder eine öffentliche Vergabestelle legt das Programm fest, genehmigt Nutzer, bestimmt Aufbewahrungsregeln und überwacht den Vertrag. Fluggesellschaften liefern Vorabinformationen über Passagiere, treffen aber nicht die Zulassungsentscheidung. Der Technikanbieter installiert und wartet das System und verarbeitet Daten möglicherweise nach Weisung der Behörde, was ihn nicht zum Entscheider macht. Prüfstellen und Datenschutzbehörden kontrollieren, ob das Programm seine rechtlichen, finanziellen, datenschutzrechtlichen und leistungsbezogenen Pflichten erfüllt.
In den Vereinigten Staaten ist U.S. Customs and Border Protection die öffentliche Behörde für das biometrische Ein- und Ausreiseprogramm. Fluggesellschaften, Flughäfen, Auftragnehmer und Anbieter sind an der Umsetzung beteiligt.
Dieselbe Aufteilung zeigt sich in Europa. Beim EU-Einreise-/Ausreisesystem betreibt eu-LISA das Zentralsystem, die teilnehmenden Länder wenden es an ihren Grenzen an, und die nationalen Behörden bleiben für die Grenzkontrollen verantwortlich.
Der Einsatz breitet sich aus
Der Ausbau geht weiter, unabhängig davon, wer welche Rolle innehat. Der Nigerian Immigration Service hat neun Überwachungskameras im Bundesstaat Taraba als Teil eines elektronischen Grenzüberwachungssystems installiert, berichtete Leadership am 30. Oktober.
Die Kameras gehören zur dritten Phase des föderalen E-Grenzüberwachungsprojekts. Diese Phase soll Gebiete ohne dauerhaftes Einwanderungspersonal erfassen. Saratu Ibrahim, Leiterin der Einwanderungsbehörde im Bundesstaat Taraba, sagte, in den ersten beiden Phasen seien Kontrollräume in Jalingo, Gembu, Morofi und Sardauna entstanden. Das System decke nun die Verwaltungsgebiete Sardauna, Kurmi und Takum ab.
In der Karibik drehen sich die offenen Fragen um Geld und Bedingungen. St. Vincent und die Grenadinen prüfen ein digitales Grenzmanagementsystem, das bereits in St. Kitts und Nevis im Einsatz ist. Der Anbieter hat dem Kabinett eine förmliche Präsentation gemacht, berichtete St Vincent Times am 28. Oktober.
Eine Delegation aus St. Vincent unter Leitung von Michelle Forbes, Staatssekretärin im für nationale Sicherheit, Einwanderung und Katastrophenschutz zuständigen Ministerium, reiste für eine Bewertung vor Ort nach St. Kitts und Nevis. Tourismusminister Kishore Shallow sagte, er habe die Frontend- und Backend-Abläufe des Systems bereits in diesem Jahr geprüft. Eine endgültige Entscheidung des Kabinetts oder eine Auftragsvergabe wurde nicht bekannt gegeben. Die Regierung hat keine Angaben zu Kosten, Finanzierung, Zeitplan oder Datenschutzrahmen veröffentlicht.
Europa testet die Überwachung sozialer Medien
Nach einem EU-Plan würde Frontex eine interne Struktur aufbauen, um soziale Medien zu überwachen und Inhalte zu melden, die nach Einschätzung der Agentur die illegale Einreise in EU-Länder erleichtern, berichtete POLITICO am 28. Oktober.
Frontex würde den Status eines vertrauenswürdigen Hinweisgebers nach dem Digital Services Act (DSA) beantragen. Dieser Status verschafft gemeldeten Inhalten Vorrang bei den Plattformen. Die Europäische Kommission will das Budget der Agentur in den nächsten sieben Jahren verdoppeln und ihre Befugnisse zur Abschiebung ausweiten. Henna Virkkunen, Technikchefin der Kommission, kündigte den Schritt bei einem Treffen der Unterzeichner des DSA-Verhaltenskodex gegen Desinformation an. Laut POLITICO kamen dort Fragen zur Meinungsfreiheit auf.
Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments sind gespalten. Benifei sagte, "die Kommission schlägt nun vor, die invasive Online-Verfolgung von ICE zu kopieren", und verwies auf die U.S. Immigration and Customs Enforcement.
Andere äußern sich zurückhaltender. Der polnische Abgeordnete Piotr Müller sagte POLITICO, das "Mandat müsse präzise sein". Frontex solle Schleuser und Menschenhändler verfolgen, nicht Meinungen über Migration polizeilich erfassen. Die irische Abgeordnete Regina Doherty sagte, die Behörden bräuchten Instrumente gegen Schleuser, die soziale Medien nutzen, doch die Details müssten in einem klaren Rechtsrahmen stimmen.
Was noch unklar ist
Für Frontex müsste der Antrag auf den Status eines vertrauenswürdigen Hinweisgebers von einer nationalen Behörde geprüft werden, um Unabhängigkeit und Fachkenntnis der Agentur zu kontrollieren. Wie diese Prüfung praktisch abläuft, ist unklar.
Pope fasste die Prüfung in einen Satz. Vertrauen entstehe Schritt für Schritt, sagte sie, und jede eingehaltene Vereinbarung und jeder fair behandelte Mensch stärkten die Zusammenarbeit.
Quellen
18- 01AI-fuelled migration misinformation erodes public trustEN
- 02Who actually controls a border system? Government, operator and vendor roles explainedEN
- 03Taraba Immigration Targets Unmanned Borders With TechnologyEN
- 04St. Vincent considers St. Kitts digital border system to streamline immigrationEN
- 05EU lawmakers slam new border force powers to surveil social mediaEN
- 06Anthropic is working on a system to prove AI models’ identityEN
- 07Borders as Technologies of Domination - CounterPunch.orgEN
- 08 China deploys 'world's first' 800-volt DC power system for massive AI data center EN
- 09 Steam Survey shockwaves felt as proportion of 32GB RAM systems drops by more than 5% EN
- 10Meta Quest 2: Meta stellt Entwicklung neuer Systemfunktionen einEN
- 11Shift Left Is Becoming A System-Level ProblemEN
- 12A mysterious star system just 16 light-years away may be hiding habitable planetsEN
- 13How Beta Technologies Is Clearing the Runway for Electric FlightEN
- 14Scientists discover a hidden 100-million-year-old volcanic systemEN
- 15MAKING MOBILITY MATTER: When Technology Acts Beyond Its Authority - Newland ChaseEN
- 16Report warns use of AI in immigration system is creating an ‘automated hostile environment’ for migrants - Electronic Immigration NetworkEN
- 17Frontex gets power to track migration talk on social mediaEN
- 18TechnoMile Recognized as a 2026 Inc. Power Partner Award WinnerEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
Kommentare
0- Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.