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Europas zweiter Gaspreisschock testet Brüssels Lust auf eine Strommarktreform

Die Gasspeicher der EU waren am 27. Oktober zu 75% gefüllt, ein Jahr zuvor waren es 83%. Die durchschnittlichen Großhandelsstrompreise überschritten in mehreren europäischen Märkten 300 Euro/MWh.

KonjunkturAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 3. November 20263 Min. LesezeitQuellen 28
Europas zweiter Gaspreisschock testet Brüssels Lust auf eine Strommarktreform

Preise über 300 Euro/MWh in sechs Märkten

Der Gaspreis überschritt 100 Euro pro Megawattstunde, meldete Balkanweb. Es war das erste Mal seit fast vier Jahren.

Der Großhandelsstrompreis folgte. Die Durchschnittspreise erreichten 305,59 Euro/MWh in Polen, 314,85 Euro in Deutschland, 310,71 Euro in Tschechien und 310,42 Euro in Österreich, heißt es in demselben Bericht. Derselbe Bericht nennt für Ungarn einen Durchschnitt von 324,58 Euro und für Serbien über 330 Euro. Die Abendspitzen lagen deutlich höher, sobald die Solarproduktion wegfiel. Sie erreichten 520 Euro/MWh in Rumänien, 540 Euro in den Niederlanden, 542 Euro in Polen und 560 Euro in Deutschland. Öl wurde zur selben Zeit zu knapp 115 Dollar je Barrel gehandelt.

Gas ist wichtiger, als sein Anteil an der Endenergie vermuten lässt. Sein Preis bestimmt die Stromrechnungen und die Industriekosten in der gesamten EU. Das Centre for European Reform nennt dies den zweiten großen Gaspreisschock für den Block in vier Jahren. Es warnt davor, die pauschalen Hilfen von 2022 zu wiederholen.

Die Speicher sind leerer und das Befüllen teurer

Die Gasspeicher der EU waren am 27. Oktober zu 75% gefüllt. Im Oktober 2022 waren es laut dem Centre for European Reform 91%. Die EU-Regeln verlangen von den Mitgliedstaaten, vor dem Winter 90% zu erreichen. Sie erlauben etwas Spielraum, wenn die Marktbedingungen ungünstig sind. Die EU-Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden schätzt, dass eine Füllung der Speicher auf 80% vor dem Winter 2026-27 die Kosten für das Befüllen um 10 bis 15 Milliarden Euro erhöhen könnte. Diese Kosten können auf den Rechnungen der Verbraucher landen. Ausgleichszahlungen belasten die öffentlichen Haushalte. Das Centre for European Reform merkt an, dass LNG die Ökonomie der Gasspeicherung verändert hat. Die Speicherung beruhte auf einer berechenbaren saisonalen Preisspanne.

Brüssel bietet fiskalischen Spielraum, keine Entlastung bei den Rechnungen

Die Energieminister trafen sich in Luxemburg. Sie setzten die Reform der Stromnetzentgelte ganz oben auf die Tagesordnung. Strukturelle Marktveränderungen bringen keine schnelle Entlastung. Die Kommission sieht derzeit kein Risiko für die Versorgungssicherheit. Was Brüssel stattdessen anbietet, ist fiskalischer Spielraum. Die Mitgliedstaaten können die Erlaubnis beantragen, die vereinbarten Ausgabengrenzen um bis zu 0,3% des BIP pro Jahr zu überschreiten. Die Obergrenze liegt bei 0,6% über den Zeitraum 2026-28. Diese Flexibilität ist ausdrücklich für Maßnahmen gedacht, die die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. Sie gilt nicht für kurzfristige Entlastung von hohen Energiepreisen.

Das Centre for European Reform fordert, die Hilfen gezielt auf die Schwächsten auszurichten. Es gebe weniger fiskalischen Spielraum als 2022.

Die langfristigen Instrumente sind umstritten

Der Vorschlag zur Überprüfung des EU-Emissionshandelssystems wurde im Juli 2026 veröffentlicht. Er soll das ETS zu einem "Motor für Innovation und Investitionen" machen. Transport & Environment hält den vorgeschlagenen Rahmen für ungeeignet, um Investitionen in saubere Kraftstoffe in der Luftfahrt und der Schifffahrt zu stützen. Die Organisation will 50% der nationalen ETS-Einnahmen für die Dekarbonisierung in vorrangigen Sektoren zweckbinden, darunter synthetische Kraftstoffe für Luftfahrt und Seeschifffahrt. Sie schlägt außerdem einen Fonds für synthetische Kraftstoffe bis 2028 vor. Sie schlägt zweiseitige Auktionen vor, die endgültige Investitionsentscheidungen ermöglichen sollen.

Die Wasserstoffplanung hat sich in die andere Richtung bewegt.

Der Entwurf der ENTSOG-Bewertung vom Oktober 2026 senkte die Annahme zur Wasserstoffnachfrage 2030 von 620 TWh auf 335 TWh. Das ist ein Rückgang um 46%. Die Annahme für 2040 wurde um 33% gesenkt, von 1.929 TWh auf 1.296 TWh. Das genehmigte Wasserstoff-Kernnetz in Deutschland umfasst 9.040 Kilometer. Die erwarteten Investitionskosten liegen bei 18,9 Milliarden Euro.

Das Centre for European Reform fordert, dass die EU den Gasverbrauch senkt. Sie müsse außerdem den Einfluss von Gas auf die Preise verringern, durch Elektrifizierung, Netze, Batterien und Laststeuerung.

Was in diesem Winter zu beobachten ist

Regierungen können Versorger verpflichten, Gas zu speichern. Sie können sie entschädigen oder selbst strategische Reserven kaufen. Welche Mischung sie wählen, zeigt sich auf den Rechnungen und in den Haushaltslinien. Es zeigt sich dort vor jedem Reformtext. Ob das Speicherziel von 90% erreicht wird und zu welchem Preis, ist der erste Test. Die ETS-Überprüfung und die Annahmen zur Wasserstoffnachfrage werden Investitionsentscheidungen prägen. Das wird weit über diesen Winter hinaus wirken.

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Quellen

28
  1. 01The EU must make the Hormuz crisis a turning pointEN
  2. 02Energy crisis returns to Europe, gas and electricity prices riseEN
  3. 03The ETS Investment Engine: Scaling Europe's Strategic E-fuel Market for Shipping & AviationEN
  4. 04Germany's Hydrogen Pipeline Reached Marl. Its Market Still Needs to Add Up.EN
  5. 05Armenia’s energy market reforms: EU support and international experienceEN
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Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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