US-Richter weist Novo-Nordisks Antrag gegen Zepbound- und Mounjaro-Werbung von Eli Lilly ab
Ein Bundesrichter in den USA hat am 26. Oktober 2026 den Antrag von Novo Nordisk abgewiesen, die vergleichende Werbung von Eli Lilly für Zepbound und Mounjaro zu stoppen. Novo habe keinen irreparablen Schaden nachgewiesen. Die Anzeigen laufen weiter, während der Rechtsstreit andauert.

Richter Zahid Quraishi vom US District Court for the District of New Jersey in Trenton entschied am Montag, Novo Nordisk habe nicht belegt, dass die Anzeigen von Lilly den Absatz bedrohten, dem Ansehen des Unternehmens schadeten oder seinem klinischen Ruf dauerhaft Schaden zufügten.
Damit laufen die Anzeigen von Lilly in den USA weiter. Das Land ist eines der wenigen, die Direktwerbung für verschreibungspflichtige Medikamente an Patienten erlauben. Wer Wegovy und Zepbound vergleicht, sieht weiterhin den Hinweis, Zepbound-Nutzer hätten im Schnitt 50 Pfund (23 kg) abgenommen, Wegovy-Nutzer 33 Pfund (15 kg). Ein schriftlicher Disclaimer steht jeweils im Bild. Der Richter erklärte, Geldzahlungen könnten Novo für jeden "nicht unerheblichen Schaden" entschädigen.
Die Begründung des Richters
In einer 25-seitigen Entscheidung nannte Quraishi die Argumente von Novo für eine einstweilige Verfügung "wenig überzeugend", gestützt auf eine "sehr vorläufige Aktenlage". Die Behauptung eines irreparablen Schadens sei "nicht ausreichend, um die außerordentliche Anordnung zu rechtfertigen, die sie beantragt". Zwischen April und Juli hätten die Anzeigen von Lilly höchstens einen vernachlässigbaren Markteinfluss gehabt. Die Verschreibungen für Novo-Produkte blieben in diesem Zeitraum stabil.
Quraishi hielt Novo zudem die eigene Werbegeschichte vor. Novo habe "eine nahezu identische Werbestrategie verfolgt und beschwert sich nun, weil es ähnlichem Verhalten ausgesetzt ist". Früher hatte das Unternehmen selbst ähnliche Anzeigen geschaltet, in denen Ozempic mit Lillys älterem Präparat Trulicity verglichen wurde, berichtete pharmaphorum. Der Entscheidung ging eine zweitägige Anhörung Ende August voraus, wie Reuters meldete.
Was in den Anzeigen steht
Novo klagte im Juli und warf Lilly vor, die Kampagnen verstießen gegen Bundes- und Landesgesetze gegen irreführende Werbung und unlauteren Wettbewerb. In der Klage heißt es, Lilly habe seine höchsten Dosen von Zepbound und Mounjaro mit niedrigeren Dosen von Wegovy und Ozempic verglichen. Bei Mounjaro hätten die Anzeigen die 15-mg-Dosis gegen 1 mg Ozempic gestellt statt gegen die höchste zugelassene Dosis von 2 mg. Novo führte außerdem an, Lilly ignoriere die 72-wöchige STEP-UP-Studie mit 7,2 mg Wegovy, der höchsten Stärke, die die FDA bis März 2026 zugelassen hatte. Stattdessen stütze sich Lilly auf Studien mit 1,7 mg und 2,4 mg Wegovy.
Lilly entgegnete, die Kampagnen beruhten auf SURMOUNT-5, nach eigener Darstellung die einzige randomisierte Head-to-Head-Studie zu Tirzepatid und Semaglutid bei Gewichtsmanagement. "Wir konzentrieren uns weiter auf die Wissenschaft und werden uns gegen diese Klage energisch verteidigen", sagte ein Sprecher von Lilly. John F. Kuckelman, Senior Vice President und Group General Counsel von Novo, erklärte, "wirkungslose Disclaimer im Kleingedruckten beheben nicht den irreführenden Eindruck, den große nationale Kampagnen erzeugen".
Warum der Streit zählt
Gerichtsunterlagen beziffern den kombinierten Umsatz von Novo im Jahr 2025 auf rund 32 Milliarden Dollar aus Adipositas-Medikamenten und Ozempic, das für Diabetes zugelassen ist. Lilly ist das größere Geschäft nach Umsatz: 65,2 Milliarden Dollar im Jahr 2025 und 20,6 Milliarden Dollar Gewinn, gegenüber 47 Milliarden Dollar und 15,4 Milliarden Dollar bei Novo. Der Umsatz von Lilly wuchs in diesem Jahr um 45 Prozent, der von Novo um 6 Prozent.
Beide Unternehmen jagen einen Markt, den Bloomberg Intelligence bis 2030 auf bis zu 120 Milliarden Dollar jährlich schätzt. Goldman Sachs prognostizierte im Juli 114 Milliarden Dollar bis 2030. Von Reuters zitierte Analysten sehen allein den US-Markt bis zum Ende des Jahrzehnts über 100 Milliarden Dollar. Novo beherrschte die Kategorie einst mit Wegovy. Lilly holte mit Zepbound auf und liegt beim Absatz vorn.
Der BMO-Analyst Evan Seigerman sagte, die Klage wirke wie der Versuch von Novo, die öffentliche Wahrnehmung des Vergleichs zwischen den Medikamenten beider Firmen zu ändern, berichtete Reuters.
Wie es weitergeht
Novo erklärte, die Entscheidung sage nichts darüber aus, ob die Werbung von Lilly falsch und irreführend sei. "Jeder verdient klare, korrekte und aktuelle Informationen, wenn er Entscheidungen über seine Gesundheit trifft", sagte ein Sprecher von Novo. Novo strebt eine dauerhafte Verfügung an, die Lilly zwingen würde, die Kampagnen zurückzuziehen und korrigierende Werbung zu schalten. Die frühere Anordnung hatte das Unternehmen im Eilverfahren beantragt, mit der Begründung, Patienten bräuchten ein "korrektes, vollständiges Bild" der verfügbaren Behandlungen.
Lilly zeigte sich zufrieden mit der Entscheidung. "Unser Fokus lag und liegt auf den Millionen Menschen mit Adipositas, Typ-2-Diabetes und anderen chronischen Erkrankungen", erklärte das Unternehmen aus Indianapolis.
Quellen
11- 01Novo Nordisk sues rival Eli Lilly over 'misleading' weight-loss drug advertisingEN
- 02Novo Nordisk Seeks US Court Order to Halt Eli Lilly's Weight-Loss Drug AdsEN
- 03Novo Nordisk Loses Court Ruling Over Eli Lilly Obesity Drug AdsEN
- 04Judge Declines to Block Eli Lilly Weight-Loss Drug Ads in Dispute With Novo NordiskEN
- 05Pharma Pulse: GoodRx Opens Employer GLP-1 Channel, Lilly Fends Off Novo Ad Challenge, PCMA Takes Aim at WholesalersEN
- 06Novo Nordisk loses bid to block Eli Lilly weight-loss drug adsEN
- 07Judge backs Lilly in Novo lawsuit over weight-loss drug adsEN
- 08Judge Rejects Novo Bid to Halt Lilly AdsEN
- 09Novo’s race to catch Eli Lilly may already be lostEN
- 10Eli Lilly defeats Novo Nordisk attempt to halt weight-loss drug adsEN
- 11Novo won't launch CagriSema in Europe for 'a couple of years,' CFO saysEN
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