Task Force eines Bundeslands will EU-Abgasregeln aufweichen, während E-Auto-Verkäufe Rekorde erreichen
Eine Automotive-Task-Force eines deutschen Bundeslands hat am 3. November eine 10-Punkte-Agenda veröffentlicht und fordert eine Revision der EU-Regeln für Fahrzeugemissionen. Im Gremium sitzen Audi, Mercedes, Porsche und Bosch. Es will weichere CO2-Ziele und Gutschriften für kohlenstoffarme Kraftstoffe.

Eine Task Force eines Bundeslands mischt mit
Die Agenda ging an die Bundesregierung und an die EU, meldete die Regionalzeitung Badische Neueste Nachrichten. Mit dabei sind Audi, Mercedes, Daimler Truck, Porsche und Bosch sowie die IG Metall und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Zuletzt tagte das Gremium am Montagnachmittag.
Es verlangt flexiblere EU-Flottengrenzwerte, Anpassungen an den CO2-Reduktionszielen und Gutschriften für kohlenstoffarme Materialien und Kraftstoffe. Außerdem schlägt es eine eigene Kategorie für Fahrzeuge vor, die ausschließlich mit biogenen Kraftstoffen und strombasierten synthetischen Kraftstoffen fahren. Anreize sind dem Gremium lieber als strenge Quoten.
Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut sagte, die Unternehmen brauchten wirtschaftlich tragfähige Bedingungen, um den Umbau der Branche zu bewältigen. "Wir brauchen jetzt Entscheidungen, die unseren Standort wieder wettbewerbsfähiger machen", sagte sie der Zeitung.
Was der Vorstoß ändern würde
Frankreich und Deutschland suchen bereits nach Wegen, die EU-Regeln zum Auslaufen der Verbrenner aufzuweichen. Deutschland will die Ziele für 2030 lockern und das Verbot ab 2035 entschärfen. Der zentrale Vorschlag würde Verbrennern nach 2035 bis zu 10% der gesamten Neuwagenverkäufe zugestehen.
Gesetz ist davon nichts. Eine Einigung der beiden Länder allein würde die EU-Regeln nicht ändern, weil Änderungen die Zustimmung von Rat und Europäischem Parlament brauchen.
Unabhängig davon setzt die Verordnung über saubere Firmenfahrzeuge verbindliche Ziele für die Neuzulassungen großer Unternehmen: 69% emissionsfreie und emissionsarme Fahrzeuge bis 2030, davon mindestens 45% emissionsfrei. Ab dem 1. Januar 2028 dürfen die Mitgliedstaaten nur noch Firmenwagen fördern, die emissionsfrei oder emissionsarm sind und in der EU gebaut wurden. Das ist Artikel 4 der Verordnung.
Der Markt fährt schon elektrisch
Die Lobbyarbeit läuft gegen die Verkaufszahlen. Im September 2026 wurden in Europa 422.000 rein elektrische Pkw zugelassen, ein Rekordanteil von 31% und ein Plus von 63% gegenüber dem Vorjahr. Plug-in-Fahrzeuge erreichten 590.000 Einheiten und einen Anteil von 43%, davon 167.000 Plug-in-Hybride, ein Plus von 23%.
Benziner hielten im September 18% des Marktes, 21% weniger als im Vorjahr, Diesel 4%, ein Minus von 28%. Hybride ohne Stecker kamen auf 34% nach 36% ein Jahr zuvor. Der Gesamtmarkt wuchs um 10% auf 1.400.000 Einheiten.
Die Hersteller sichern sich in beide Richtungen ab
Subaru geht den anderen Weg. Subaru Deutschland sagte Auto Motor und Sport, die Marke werde ab Anfang 2028 in Europa ausschließlich E-Autos verkaufen. Zur Begründung nannte das Unternehmen die EU-Emissionsregeln sowie die Anforderungen an Fahrerassistenz und Sicherheit. Der Outback verlässt den europäischen Markt noch vor Ende dieses Jahres, Impreza, Crosstrek und Forester folgen 2027. Die europäische Modellpalette besteht dann aus Solterra, Uncharted und E-Outback. Laut Electrek ist Subaru offen dafür, Hybride zurückzubringen, falls sich die Bedingungen ändern.
Eine Modellrechnung für Transport & Environment beziffert den anderen Weg. Das Fraunhofer ISI schätzt, dass die Verordnung über saubere Firmenfahrzeuge bis 2030 bis zu 48.000.000.000 Euro Wertschöpfung und 344.000 Arbeitsplätze bringen könnte. In seinem moderaten Szenario steigen die EU-Firmenverkäufe von Volkswagen bei reinen E-Autos bis 2030 um rund 99.000 Fahrzeuge. Das gleicht etwa 14% eines geplanten Produktionsabbaus von 700.000 Einheiten aus.
Was zu beobachten ist
Die Agenda ändert für sich genommen kein Gesetz. Jede deutsch-französische Einigung zu Verbrennern braucht weiterhin Rat und Europäisches Parlament. Die Förderregeln nach Artikel 4 gelten ab dem 1. Januar 2028, und Subarus rein elektrische Europa-Palette startet im selben Jahr.
Die Zahlen im Vergleich
Der E-Auto-Anteil von 31% im September steht 25% seit Jahresbeginn und 20% für das gesamte Jahr 2025 gegenüber. Der Gesamtmarkt lag bei 1.400.000 Autos. Das Ziel von 69% emissionsfreien und emissionsarmen Fahrzeugen bis 2030 enthält ein Minimum von 45% emissionsfreien Fahrzeugen. Die 10% Verbrenner-Erlaubnis nach 2035 ist ein Vorschlag aus Paris und Berlin, kein beschlossenes Gesetz.
Quellen
28- 01German auto task force demands EU emissions rethink as industry crisis deepensEN
- 02"Easing combustion-engine car rules and favoring European-made vehicles": EU moves to defend against Chinese automakers' market gainsEN
- 03The EU Clean Corporate Vehicles Regulation: the industrial and economic benefits of made-in-EU electric company carsEN
- 04Record Demand Catches (Some) OEMs with Their Pants Down: Europe September 2026EN
- 05Subaru Will Only Sell EVs In Europe After 2027EN
- 06 Dimorphos in sight: Europe's Hera probe gets its 1st look at battered space rock (photo) EN
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